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Reet-Raum-Honig

Gezeichnetes Etikett von unserem Reet-Raum-Honig (RR-Honig).

Unseren Reet-Raum-Honig (RR-Honig) erzeugen unsere Bienen in reinen Reet-Beuten. D.h. es geht nicht wie bei bestimmten Honigsorten, z.B. Rapshonig, Lavendelhonig oder Lindenhonig, um die Pflanze oder den Baum, von dem die Bienen den Nektar oder den Honigtau holen. Unsere Bienen haben keine Reetpflanzen angeflogen. Sondern es geht um die Behausung, in denen unseren Bienen den Honig einlagern. „Griechischer Honig“ kommt (hoffentlich) aus Griechenland, unser Reet-Raum-Honig kommt (auf jeden Fall) aus reinen Reet-Beuten. 🙂

Mit unseren Reet-Beuten haben wir eine Mischung aus möglichst natĂŒrlicher, aber auch noch handhabbarer Hobby-Imkerei gefunden.

Neben der Behausung versuchen wir außerdem, unsere Damen so wenig wie möglich wĂ€hrend der Honigsammlung zu stören. D.h. wir öffnen die Bienen-Beute nur sehr selten – nicht alle 7 Tage, wie sonst ĂŒblich. Damit bleibt das Stockklima ĂŒberwiegend erhalten, was sich auch auf den Honig positiv auswirkt. Außerdem unterstĂŒtzt das Reet die Trocknung des Honigs, da Feuchtigkeit besser entweichen kann.

Vier Reetbeuten unter einem Dach.
Vier unserer Bienenvölker in Reetbeuten – die vollstĂ€ndige Umstellung braucht noch etwas Zeit.

Unser RR-Honig wird außerdem nach dem Schleudern nur gesiebt, fĂŒr zwei Tage ruhen gelassen, abgeschĂ€umt und dann sofort abgefĂŒllt. Er wird nicht gerĂŒhrt, um auch hier die NatĂŒrlichkeit soweit es geht zu erhalten. Dies bedeutet natĂŒrlich auch, dass der zunĂ€chst klare Honig schnell fest und zuckerkristallig werden kann – gerade im FrĂŒhjahr. Daher fĂŒllen wir unseren RR-Honig auch nur in 250g GlĂ€ser.

Einige finden die ZuckerhonigkrĂŒmel auf der Zunge total gut, fĂŒr die Anderen heißt es: schneller essen oder unseren Holm-Honig probieren, bei dem die Bienen auch schon in Reet-Beuten wohnen und ĂŒberwintern. 🙂

Sie wollen unseren RR-Honig mal auf der Zunge spĂŒren? Kein Problem!

Reet-Raum-Honig 2023

Zwei HonigglÀser 250g vom Reet-Raum-Honig. Einmal von vorne mit Etikett und einmal von hinten.
Reet-Raum-Honig FrĂŒhtracht 2023
Zwei HonigglÀser 250g vom Reet-Raum-Honig. Einmal von vorne mit Etikett und einmal von hinten.
Reet-Raum-Honig FrĂŒhtracht 2023 – nach 2 Monaten kristallisiert
Zwei HonigglÀser 250g vom Reet-Raum-Honig. Einmal von vorne mit Etikett und einmal von hinten.
Reet-Raum-Sommerhonig 2023
Vier Reetbeuten unter einem Dach.

So wohnen unsere Bienen

Unsere Bienen wohnen seit diesem Jahr in Reetbeuten im Deutsch Normalmaß (DNM). Warum wir uns fĂŒr diese Beutenart entschieden haben, wollen wir in diesem Artikel erzĂ€hlen.

30.04.2023, 12:20 Uhr, 10 Grad und unsere Damen fliegen, siehe Video:

Unsere Bienenbeuten aus Reet und Holz.

Die „Wohnungen“ – genannt Beuten – unserer Damen und auch ein paar Herren bestehen seit diesem Jahr aus Holz und Reet – zumindest im Brutraum ausschließlich und im Honigraum erst vereinzelt. Dabei verwenden wir folgende „GrĂ¶ĂŸen“:

EinsatzTypGrĂ¶ĂŸeAnzahl RĂ€hmchen
BrutraumDNM1,510
HonigraumDNM1,010

Baubedingt passen bei uns nur 10 RĂ€hmchen in unsere Beuten und nicht 11 wie z.B. bei der Segeberger Beute. Aber warum jetzt eine Reetbeute und nicht die in Norddeutschland eher verbreitete Styroporbeute? Nun, dass kam so …

Am Anfang voll im Standard

Bienen halten? Wie aufregend ist das am Anfang! Da möchte man nichts falsch machen und es sich auch nicht zu schwer machen.

Meine Frau – als „Holzwurm“ (Tischlermeisterin) wollte unbedingt gleich Holzbeuten. Ich wollte lieber mit dem starten, was fast alle hatte – insbesondere mein Imkerpate: Segeberger Styroporbeuten im Deutsch Normalmaß 1,0 fĂŒr Brut- und HonigrĂ€ume. So konnte ich erstmal genauso imkern wie mein Imkerpate und es ließen sich auch einfacher Material tauschen bzw. ĂŒbernehmen.

Ich konnte mich durchsetzen und wir starteten 2017 standardmĂ€ĂŸig.

Vier Bienenbeuten aus Styropor - 2 Brut- und 2 HönigrÀume
Vier Bienenbeuten aus Styropor im Juni 2019

GrĂŒn = BrutrĂ€ume / Blau = HonigrĂ€ume.

Die Experimentierphase

Nach zwei Jahren hatten wir uns mit unseren Bienen eingeschwungen und meine Frau kam wieder auf die Holzbeuten zu sprechen, die sie gerne selber bauen wollte. Sie fing an zu recherchieren und war schließlich total ernĂŒchtert, da:

  • DĂ€mmung: Die typischen Holzbeuten dĂ€mmen nicht so gut wie Styroporbeuten. Um die DĂ€mmwirkung von Stypropor- auch bei Holzbeuten zu erzielen, mĂŒssten Holzbeuten viel dicker sein. Damit wĂ€ren diese aber viel zu schwer und unhandlich.
  • Offener Boden: Trotzdem werden diese mit offenem Boden angeboten, wahrscheinlich um dem Schimmelproblem entgegenzuwirken. D.h. aber auch, dass die Bienen im Winter mehr heizen mĂŒssen.
  • Holzart: Als Holzart wird auf grund des eh schon grĂ¶ĂŸeren Gewichts gegenĂŒber der Styroporbeute recht leichtes Holz verwendet, was aber gerade in Norddeutschland (Nebel, Nieselregen) eher schnell wegrottet. Oder das Holz muss entsprechend behandelt werden – „zu kleistern“ nennt das meine Frau. Behandeltes Holz ist sicherlich schlechter als unbehandeltes Holz fĂŒr Bienen.
  • MetalldĂ€cher: Um Holzbeuten insbesondere vor Regen von oben zu schĂŒtzen, werden u.a. MetalldĂ€cher angeboten. Es regnet nicht selten bei uns. Was ist das wohl fĂŒr eine GerĂ€uschkulisse in einer Bienenbeute mit Metalldach im Regen? Aber nur Holz als Dach? Behandelt?

Alles Mist. Dann bleiben wir doch bei Styroporbeuten – dachte ich. Meine Frau ist aber hartnĂ€ckig und fand die Internetseite Optimal Bees von Chris und Bella (zwei ganz tolle Menschen) aus DĂ€nemark. Diese hatten zu dieser Zeit Magazin-Reetbeuten fĂŒr das RĂ€hmchen-Maß 12-10er (eher in DĂ€nemark verbreitet) entwickelt. Heute haben sie neben dem 12-10er auch Dadant, Zander, DNM und Langstroth.

Meine Frau und ich sind dann im Sommer 2019 an die mittlere dĂ€nische NordseekĂŒste gefahren und haben einen Tag lang mit Chris und Bella gefachsimpelt, uns die Reetbeuten angeschaut und schließlich eine Beute bestehend aus Boden, zwei Zargen, Deckel und Dach gekauft.

Danach haben wir

  • Stockwaagen nach Inspiration eines Imkerkollegen selbst gebaut (hat leider aufgrund von kalten Lötstellen nicht funktioniert),
  • Temperatur- und Feuchtigkeitssensoren vorbereitet,
  • einen Reetboden, Reetdeckel mit Dach passend fĂŒr die Segeberger Beute gebaut

und dann ein Experiment an unserem Bienenstand gestartet:

Drei unterschiedliche Beuten (alles aus Reet, Reetboden und -deckel, kein Reet) als Teststellung.
Der Reetbeuten-Testaufbau 2019 – 2021.
  • Stock 1 (links): Komplett aus Reet. [grĂŒn Kurve]
  • Stock 2 (Mitte): Reetboden und -deckel mit Dach, aber Styroporzargen. [gelb]
  • Stock 3 (rechts): Komplett Styropor – Boden offen. [blau]
  • Stand (nicht zu sehen): Sensor außerhalb einer Beute. [orange]
Messung der Temperatur als Kurvendiagramm dreier Bienenbeuten plus Stand.
Teststellung: Werte der Temperatur vom 1.8. bis 8.8.2020
Messung der Luftfeuchtigkeit als Kurvendiagramm dreier Bienenbeuten plus Stand.
Teststellung: Werte der Luftfeuchtigkeit vom 1.8. bis 8.8.2020

Leider war meine Technik nicht sehr stabil. Die Stockwaagen maßen das Gewicht nur sehr unzuverlĂ€ssig, daher hab ich auch keine Grafik erstellen können. Außerdem hĂ€ngten sich die von mir verwendeten Einplatinencomputer immer mal wieder auf, was ich teilweise erst Wochen spĂ€ter merkte – so dass ich das Experiment am 20.02.2021 frustriert abgebrochen habe.

Trotzdem konnten wir im FrĂŒhling 2021 feststellen:

  • Schimmel: Kein Schimmel in Reet- und Mischbeute.
  • Futtervorrat: Die FuttervorrĂ€te in der Reetbeute waren am grĂ¶ĂŸten, d.h. die Bienen brauchten in dieser Beute anscheinend am wenigsten Futter.
  • AktivitĂ€t: Die Bienen aus der Reetbeute ließen sich als letzte nach dem Winter sehen.

Alle Völker waren aber gut entwickelt – trotz Schimmel in der Styropor Beute.

Achtung: Dies hat keinen wissenschaftlichen Anspruch, noch die nötige wissenschaftliche Breite und Tiefe, sondern ist lediglich eine zeitlich begrenzte persönliche Erfahrung.

Und so wohnen unsere Bienen heute

Aus dieser persönlichen Erfahrung haben wir abgeleitet:

  • Reetbeute: Wir wollen Reetbeuten mit unbehandeltem Holz aufgrund der grĂ¶ĂŸeren Trockenheit in der Beute (kein Schimmel) und dem geschlossenen Boden, damit die Damen im Winter weniger Energie verbrauchen.
  • Brutraum in DNM 1,5: Wir wollen auf einen Brutraum wechseln, damit die Brutkugel nicht horizontal durchschnitten und bei Arbeiten am Volk waagerecht auseinander gerissen wird. Dennoch wollen wir das bei uns in der Region verbreitete DNM behalten. Also dann DNM 1,5.
  • Honigraum in DNM 1,0: Wir haben so viele DNM 1,0 RĂ€hmchen und Zargen, die wir als Honigraum erstmal weiternutzen möchten. Eine Umstellung auf Reet-HonigrĂ€ume soll nach und nach erfolgen.
  • DNM: Wir bleiben generell bei DNM, um mit Imker-Kolleg:innen aus dem Verein kompatibel zu bleiben.
  • KompatibilitĂ€t: Es mĂŒssen passen:
    • Reet-Brutraum auf Reet-Boden
    • Reet-Honigraum auf Reet-Brutraum
    • Styropor-Honigraum auf Reet-Brutraum
    • Reet-Deckel auf Reet-Brutraum, Reet-Honigraum und Styropor-Honigraum

Und so hat meine Frau es mit UnterstĂŒtzung unseres Sohnes und mir beim Reetschneiden gebaut. 🙂

Vier Reetbeuten
Vier unserer Bienenvölker in Reetbeuten.
  • Boden: unten der Boden aus Cumaru – witterungsbestĂ€ndig(er) und schwer, aber der soll ja auch nicht bewegt werden. Der Boden hat ein kleines rundes Flugloch mit innenliegendem MĂ€useschutz (nicht zu sehen).
  • Zargen: dann die Zargen (Brut 1,5 DNM und Honig 1,0 DNM) aus Fichte / Kiefer (klar, rottet schneller, aber mit der Tischlerin im Haus ;-)) mit Reet fĂŒr 10 RĂ€hmchen.
    • Honigraum: ĂŒbergangsweise auch noch aus Styropor.
  • Deckel: dann der Reet-Deckel (im Bild nicht zu sehen) ebenfalls aus Fichte / Kiefer.
  • Dach: das Dach dann auch aus Holz und LKW-Plane (nicht zu sehen). Aktuell aufgrund des besseren Handlings als waagerechtes Flachdach ohne Neigung. Damit steht das Wasser da natĂŒrlich drauf. Mal gucken, wie sich das verhĂ€lt.

Damit haben unsere Bienen das ganze Jahr eine atmungsaktive und gut dĂ€mmende „Wohnung“ aus natĂŒrlichen Materialen. Die HonigrĂ€ume sind ja nur kurz drauf (ca. 4 Monate), die meiste Zeit des Jahres haben die Bienen nur ihren Brutraum aus Reet.

FrĂŒhtracht 2020

In diesem Jahr ist der FrĂŒhjahrshonig sehr hell und lecker.

Dies liegt an dem (wahrscheinlich) hohen Raps-Anteil. Sehen Sie selbst. 🙂

Ein Bild unseres FrĂŒhjahrshonig in zwei nebeneinander stehenden GlĂ€sern. Einmal von vorne und einmal von hinten zu sehen.
Unser FrĂŒhjahrshonig 2020: hell und lecker

Am 31.05.2020 haben wir den Honig geschleudert. Hierbei wird der Honig klassisch in 40kg Hobbocks gelagert und wir fĂŒllen uns schon immer ein paar GlĂ€ser direkt ab – zum Naschen. 😉 Schon am zweiten Tag fing der Honig an, in den GlĂ€ser fest zu werden. Am dritten Tag lief da im Glas gar nichts mehr. In den Hobbocks wurde der Honig innerhalb von wenigen Tagen fest und ich hab gerĂŒhrt wie ein Weltmeister. Das der Honig so schnell fest wird, hab ich noch nicht erlebt. Da haben meine Damen wohl das Richtung Hetlingen gelegene Rapsfeld gefunden.

Achtung: Wir verkaufen offiziell keinen „Raps-Honig“, denn dies wĂŒrde bedeutet, dass in dem Honig mindestens 60% Rabs drin sein mĂŒssen. Da wir dies nicht wissen, heißt unser Honig „FrĂŒhtracht“.

Neugierig oder hungrig geworden? Sie können unseren Honig gerne kaufen. 🙂